Wenn die Haifische lesen könnten

von Gerald Fiebig

Herr K. ging in die Stadtbücherei, weil er erfahren hatte, dass bisher unbekannte Geschichten vom größten Dichtersohn seiner Stadt gefunden und veröffentlicht worden seien. Er fragte die Angestellte nach dem Standort des Buches.
„Bedaure“, sagte sie. „Die Stadtbücherei hat kein Geld, um neu erscheinende Bücher zu kaufen.“
„Wirklich bedauerlich“, sagte Herr K. „Wo stehen denn die anderen Werke des großen Dichters?“
„In dem Pappkarton unter dem Waschbecken der Herrentoilette, direkt neben dem Abgang zum Keller. – Wir haben keinen Platz mehr, um neue Regale aufzustellen“, entschuldigte sie sich auf Herrn K.s verwunderten Blick hin.   … »»

Friedensbad in der Friedensstadt

Am 08.08.04 fand um 00.01 Uhr im Kunstlabor Striese eine szenische Lesung statt.
„Friedensbad in der Friedensstadt“ ist eine Lesung mit mehreren Vorlesenden, teilweise in Dialogen.
Es geht um den Profilierungsdruck in einer Stadt, deren Bevölkerung vieles auf die Beine stellen muss, damit Sie als Drehscheibe von Ost und West von Nord und Süd akzeptiert und anerkannt wird. In einer unglücklichen Auslegung dieser Misere kommt es gar zu einem Menschenraub, der glücklicherweise gut ausgeht.
Vortragende: Gerald Fiebig, Albrecht Rau, Lienus, Hubert Thalhofer, Gert Schröter
Autor: Ibrahim Kaya

Nach der Lesung bot sich die Gelegenheit zu einer Mondscheinprozession – falls kein Mond vorhanden – den Leuchtkäfern folgend der 1. Gang zum Friedensbad.
I. Kaya

Frieden läuft in erster Linie im Kopf ab!s

lautet eine Weisheit, die ich mir im Laufe meines Lebens in der Friedensstadt Augsburg angeeignet habe.
Es sind oft Anlässe und Möglichweiten geboten, Frieden zu spüren, zu erhalten oder auszusprechen.
Leider liegt es im Schicksal und in der Natur des Friedens, dass er einer schlimmen Zeit der Entbehrungen, Zerstörungen, Not und Elend folgt; zwangsläufig – fast zwangsläufig.
Es finden sich manchmal Menschen, die den ersehnten zustand mit Raffinesse, eingegebenem Humor sowie Charme herbeiführen können, ohne dass viele viel erleiden müssen.
Die wenigen, denen anscheinend Gefahr droht – bis es soweit ist – kommen im schlimmsten Falle mit dem Schrecken davon.
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