Wirtschaft kurz und knackig

Einleitung

Die bürgerlichen Ökonomen wollen uns glauben machen, die Wirtschaftswissenschaften seien unendlich kompliziert, und außerdem sei „die Marktwirtschaft“ sowieso nicht erschöpfend erklärbar. Beide Behauptungen wurden bereits im 19. Jahrhundert gründlich widerlegt – und doch haben sie heute Hochkonjunktur.

Mit dieser Schriftenreihe möchte der Autor den Nachweis erbringen, daß die genannten Behauptungen unzutreffend sind, und daß vielmehr die wahren Zusammenhänge verschleiert werden sollen. Es ist ihm ein Anliegen, in dieser oberflächlichen und theoriearmen Zeit daran zu erinnern, daß es Grundlage jeder Politik sein sollte, die Wirklichkeit wissenschaftlich zu analysieren.

Um den Text allgemein verständlich zu gestalten, werden die heute üblichen Begriffe der bürgerlichen Wissenschaft verwendet. Eine Gegenüberstellung mit entsprechenden „linken“ oder „marxistischen“ Termini findet sich im Anhang.

1. Historische Vorbedingungen der Markwirtschaft

Zur Entwicklung unseres heutigen Wirtschaftssystems und damit einhergehend der bürgerlichen Gesellschaft gibt es eine Reihe von Untersuchungen. Diese sind nicht Thema dieses Aufsatzes. Für das Verständnis der folgenden Kapitel ist einige kurze historische Vorbemerkungen unvermeidlich.

Bevor sich ein (nahezu) vollständiger Markt herausbilden konnte, entwickelte sich der Austausch von Waren im wesentlichen in drei Stufen:

Stufe 1: (Bäuerliche) Selbstversorger erwirtschaften einen Überschuß
und tauschen direkt gegen Gebrauchsgüter für den eigenen Bedarf.

Stufe 2: Der Überschuß wird gegen Geld (zunächst meist in Form von Gold)
getauscht, um dafür zu einem späteren Zeitpunkt Gebrauchsgegenstände erwerben zu können. Der Kauf dieser Güter fällt also zeitlich nicht mehr mit dem Verkauf des Überschusses zusammen.

Bis hierher werden lediglich Äquivalente getauscht, d.h. die produzierten Güter werden gegen gleichwertige getauscht. Erhält einer durch Geschick einen wertmäßigen (finanziellen) Vorteil (Gewinn), so erleidet der andere einen Nachteil (Verlust) in gleicher Höhe.

Der Tausch erhöht also nicht das Gesamtprodukt (Sozialprodukt). Es handelt sich um ein sogenanntes Nullsummenspiel. Diese Überlegung ist äußert wichtig. Es stellt sich nämlich die Frage, wo und wie das Sozialprodukt erwirtschaftet wird.

Stufe 3: Die (selbst nicht benötigten) Gebrauchsgegenstände werden speziell für
den Markt produziert, also mit dem Ziel ihres Verkaufs zum Zwecke der Geldvermehrung. Damit werden die Gebrauchsgegenstände endgültig zu Waren.

Doch nun stellt sich die Frage, wie durch Tausch eine Vermehrung stattfinden kann. Durch Übervorteilung des Geschäftspartners? Dann gäbe es wohl schon längst keine Geschäftspartner mehr. Es kann sich also nun nicht mehr um ein Nullsummenspiel handeln. Es muß eine Ware geben, die in der Lage ist, Wert zu vermehren. Im nächsten Kapitel soll dieser Frage nachgegangen werden.

2. Eine ganz besondere Ware: Die menschliche Arbeitskraft

Die einzige Ware, die tatsächlich in der Lage ist, Wert zu vermehren, ist die menschliche Arbeitskraft. Die Unternehmer sprechen ja selbst von „Wertschöpfung“. Diese Tatsache ist ihnen also vollkommen bewußt! Der abhängig Beschäftigte „schöpft Wert“, d.h. er „rechnet sich“, wenn er für den Unternehmer mehr Wert produziert als er verdient, wenn also die Personalkosten (mehr als) gedeckt sind.

Wäre dem Unternehmer dies nicht geläufig, könnte er gar nicht überleben. - Drückt man diesen Sachverhalt allerdings marxistisch aus, so wird man nicht ernst genommen.

3. Die Entstehung von Kapital

Funktioniert nun dieser Prozeß der Wertschöpfung, so bleibt regelmäßig ein Betrag übrig, der vom Unternehmer investiert werden kann. D.h. sein Kapital wächst.

Anmerkung: Bis heute gibt es übrigens nichtkapitalistische Unternehmer: Selbständige und Freiberufler, die nur durch eigene Arbeit Wert schöpfen, aber keine Arbeitnehmer beschäftigen. Diese spielen sozusagen eine Nebenrolle und sollen hier nicht näher untersucht werden.

4. „Die Wirtschaft“

Als „Die Wirtschaft“ wird in der Regel die Gesamtheit der Unternehmen bezeichnet. Diese wird ja auch von den Repräsentanten „der Wirtschaft“ vertreten.

Betrachtet man nun den Wertschöpfungsprozeß nicht in einem einzelnen Unternehmen, sondern gesamtgesellschaftlich, so wird der „geschöpfte“ Wert als Sozialprodukt bezeichnet. Ein Teil dieses Sozialproduktes wird nun nicht konsumiert, sondern (re-)investiert. D.h. wir stoßen bei der Untersuchung der Verwendung des Sozialproduktes auf zwei Varianten:

I investiv (Verbleib in den Unternehmen)
II konsumtiv (Verbrauch der Arbeitnehmer und UnternehmerInnen)

Heute bezeichnet man die Herstellung und den Vertrieb von I auch als B2B-Geschäft (Business to Business), von II als B2C (Business to Consumer).

Die Investitionen gehen wieder in Form von Kosten in die Preiskalkulation der Produkte ein. Handelt es sich um langlebige Investitionsgüter (Anlagegüter, z.B. Maschinen) so werden diese Kosten über einen gewissen Zeitraum verteilt (Abschreibung).
Im Falle der Investition in Personal kann nun der Wertschöpfungsprozeß (Kapitel 1) wieder von vorne beginnen.

Anmerkung:
Wenn die Maschine keinen Wert schöpft, warum kauft sie der Unternehmer dann? Weil er sich durch die Erhöhung der Produktivität (neuere, schnellere Maschine) einen Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten erhofft. Er kann die Ware zu einem Preis anbieten, der ihm einen Extraprofit ermöglicht. D.h. er verkauft die Ware zum Marktpreis, obwohl er wesentlich billiger produziert als die anderen.
Dies ist ein temporärer Effekt auf Kosten der Mitbewerber, der sich später wieder ausgleicht, hat also nichts mit Wertschöpfung zu tun. Er ist sehr wichtig für die Erklärung des ständigen Drangs zur Rationalisierung, welcher aber ein ganz eigenes Thema wäre.

Es versteht sich von selbst (und davon ist ja auch in den Medien mehr als genug zu hören), dass es das Bestreben der Unternehmen ist, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Das ist keine Frage der Moral, sondern ein Zwang unter dem Druck der Konkurrenz!

Wenn die Kosteneinsparung auch beim Personal durchgesetzt werden kann, dann führt dies dazu, daß der Gesellschaft Kaufkraft fehlt und die Konsumgüter (II) nicht mehr abgesetzt werden könne. In Folge wird natürlich auch weniger investiert (I). Wie dieser Teufelskreis zu den für die Marktwirtschaft typischen Konjunkturzyklen mit ihren Krisenerscheinungen führt, soll im nächsten Kapitel erklärt werden.

5. Die Konjunktur

Wenn die Unternehmen ihre Produkte nicht mehr verkaufen können, dann haben wir eine Rezession (hier muß ich allerdings auf den marxistischen Begriff verweisen, da ich keine modernen finden kann, der so zutreffende ist wir dieser: relative Überproduktion). D.h. es gibt mehr Angebot als zahlungsfähige (!) Nachfrage.

Übrigens:
Es gibt keineswegs mehr Angebot als Bedarf, wie uns oft suggeriert wird. Die Menschen können sich nur die Dinge nicht leisten. Diese Tatsache wird von den bürgerlichen Ökonomen in der Regel ignoriert, wenn sie behaupten, die Bedürfnisse der „Verbraucher“ würden den Markt steuern. Diese sind aber nur eine notwendige Bedingung für den Absatz der Produkte, keine hinreichende.

Die Zahlungsfähigkeit leidet dann zusätzlich noch durch die entstehende Arbeitslosigkeit, welche dann wiederum zu Absatzproblemen führt. Hier eröffnet sich ein Teufelskreis, der wenig mit falscher oder richtiger Wirtschaftspolitik zu tun hat.

Erst durch Vernichtung von Kapital (Insolvenzen) im großen Stil sinkt das Warenangebot und es entsteht eine Situation, in der die verbleibenden Unternehmen wieder Geschäfte machen können und so der Aufschwung eingeleitet wird.

Anmerkung:
Mit Vernichtung von Kapital ist keineswegs die physische Vernichtung von Maschinen o.ä. gemeint., sondern die wertmäßige Minderung. Die insolventen Unternehmen verlieren ja tatsächlich an Wert.

Dieses krisenhafte Auf und Ab nennt man Konjunktur. Die bürgerlichen Ökonomen allerdings können dieses Phänomen bis heute nicht erklären, sie beschreiben es nur.


Anhang: Glossar

Hier eine kleine Gegenüberstellung, die sicher nicht exakt sein kann und schon gar nicht vollständig ist. Sie soll lediglich der Orientierung beim Studium unterschiedlicher Literaturen dienen.

Modern („bürgerlich“)

Links („marxistisch“)

Grundbegriff

Die Marktwirtschaft

Der Kapitalismus

Personen

Klasse

Schicht

Arbeitgeber / Unternehmer

Kapitalist

Arbeitgeber / Die Wirtschaft

Das Kapital

Mitarbeiter / Arbeitnehmer

Lohnabhängiger / Proletarier

Arbeitnehmerschaft

Proletariat / Arbeiterklasse

Freiberufler (Arzt, Künstler, ...)

Produzent, der seine Produktionsmittel besitzt

Betriebswirtschaft

Umsatz

Umsatz

Materialeinsatz / -aufwand

zirkulierendes konstantes Kapital

Personalkosten

variables Kapital 

sonstige Fixkosten inkl. Abschreibung

fixes konstantes Kapital 

Human Recources (sic!)

Ware Arbeitskraft

Wertschöpfung (als Betrag)

Mehrwert

Wertschöpfungsprozess

Ausbeutung / Exproprietation

Gesamtergebnis / Gewinn

Profit

Rendite (in %)

Profitrate (in %)

Handel

Tausch

Nutzen

Gebrauchswert

Preis

Preis

Marktpreis

Wert (Tauschwert)

Lohn / Gehalt

Lohn / Preis der Ware Arbeitskraft

Durchschnittslohn / -Gehalt

Wert der Ware Arbeitskraft

(Erweiterungs-) Investition

Akkumulation

Gesellschaft:

Investitionsgüterindustrie (B2B)

Abteilung I (Produktionsmittel)
Konsumgüterindustrie (B2C) Abteilung II (Konsumtionsgüter)
Rezession Krise
Absatzschwierigkeiten (relative) Überproduktion
Insolvenz(welle) Kapitalvernichtung


Weitere geplante Themen zu „Ökonomie kurz und knackig“:
• Die Arbeitslosigkeit
• Der Kapitalmarkt
• Nationalstaaten und Globalisierung
• Staat und Demokratie in der Marktwirtschaft

Thomas Hacker


   
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