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| So
haben sie es sich nicht vorgestellt nach ihrem Wahlsieg |
„Kreut ist nicht der Ort, wo die weiße Flagge gehisst wird“,
gab Landesgruppenchef Michael Glos als Parole aus.
Bild: Christian Horvat CC BY-SA 3.0 Wikimedia
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Unglaublich,
aber wahr! Die Augsburger Allgemeine vermeldet es auf der ersten
Seite: Die CSU legt in der Wählergunst noch zu. Über
Google ist diese Umfrage zwar nirgends zu finden und auch die
Webseite von infratest dimap weiß nichts davon.
Aber Gottes unergründliche Weisheit, die die CSU ja
definitiv auf ihrer Seite hat, läßt Google weit hinter
sich. Und es ist ja klar, dass bei diesem Wahlsieg ein Ruck
durch die Gräber ging und sich auch verstorbene CSU-Mitglieder
an den Umfragen beteiligen. Wir können es uns nicht anders
erklären. Irgendwie muss man der sinkenden Wahlbeteiligung
ja etwas entgegensetzen, wenn man die Macht dazu hat und Medien
wie die Augsburger Allgemeine.
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Trotz ihres Sparkurses verzeichnet die CSU in der Gunst der bayerischen Wähler weiter Rekordzustimmung: Nach einer neuen Umfrage legte sie seit der Landtagswahl nochmals um mehr als einen Prozentpunkt zu und kommt auf 62 Prozent. Jedoch glaubt nur jeder fünfte Wähler, dass Ministerpräsident Stoiber seine Sparziele tatsachlich erreichen wird, stellte das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap im Auftrag eines Rundfunksenders fest.
Augsburger
Allgemeine 8.1.2004 |
| Im Folgenden ein paar Bilder über die Wogen der Begeisterung,
die die bayerische Staatskanzlei seit Wochen umbranden. Bis
in die tiefste Provinz will der Jubel nicht enden. |
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| Beim Marsch der 40.000 auf die Staatskanzlei am 20. November 2003 lautete das große Fronttransparent „Bildung in Bayern – mit Pauken und Trompeten durchgefallen“. Diese Parole mag zwar etwas brav klingen, ist aber im Grunde ein sehr hartes Resümee und wenn man damit vor die Staatskanzlei zieht, ist auch klar wen man dafür verantwortlich macht. Auf der riesigen Demonstration in München gab es natürlich auch schärfere Aussagen. So zeigt ein großes mitgeführtes Plakat Stoiber mit einem grünen Gürtel um den Hals und in Rot die Parole: „Den Gürtel an der richtigen Stelle engerschnallen!“. Ein großes Transparent lautete: „Edmund Stoiber – Hochschulräuber“. |
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| Zeitgleich zur Münchner Großdemonstration demonstrierten auch in Êrlangen 12.000 Studenten gegen die Bildungspolitik der CSU. In allen Universitätsstädten in Bayern schalten an diesem Tag Parolen „Stoiber – Bildungsräuber“, „Bildung für alle – und zwar umsonst“ und am Ende der Aktionen „Wir kommen wieder“.12.000 Studenten demonstrierten am 20. November 2003 in Würzburg gegen die Bildungspolitik der CSU. Bilder: http://de.indymedia.org/2003/11/66854.shtml |
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„Im
Wald da sind die Räuber – noch schlimmer ist der
Stoiber!“ 7000 Forstleute protestieren am 10.12.2003
in München gegen die von der Staatsregierung geplante Forstreform.
Begleitet vom ohrenbetäubenden Lärm von rund 2000
Motorsägen und Trillerpfeifen zogen Waldbauern, Arbeiter,
Förster und Studenten in einem Marsch zur Staatskanzlei
und übergaben dort Petitionen. Ein anderes Transparent lautete „Wiebke, Lothar, Edmund“.
Der
„Reform-Minister“ Erwin Huber hatte im Vorfeld das berühmte
Zitat gebracht: „Man darf nicht die Frösche fragen, wenn
man den Sumpf trockenlegen will.“ Unter dem Beifall der Demonstranten
konterte dazu Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund Naturschutz in
Bayern: „Vielleicht hätte man die Frösche früher
fragen sollen, dann wäre das Hochwasser nicht so gestiegen!“ |
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| Tumultartige
Kundgebung des Philologenverbandes im Löwenbräukeller
am 13.12.2003. Der bildungspolitische Sprecher der CSU-Fraktion,
Siegfried Schneider , wurde ausgebuht. Der Philologenverband
tritt aus der Bildungskommission aus. Inzwischen hat sich der
Streit mit Kultusministerin Hohlmeier zugespitzt. |
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| Die
Forderung der bayerischen Hochschulrektoren, die Hälfte
der acht theologischen Fakultäten zu schließen,
hat bei den Kirchen und bei Ministerpräsident
Stoiber helle Empörung ausgelöst. Kommentar der frommen
Augsburger Allgemeinen: „Noch nie zuvor haben die bayerischen
Hochschulen eine solche Wolfsmentalität gezeigt, gnadenlos
den Schwächsten zu verschlingen.“ |
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| Proteste
der Bauern wegen der 15%igen Kürzungen
im Agrarhaushalt. Tausende von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft
würden verlorengehen, die lebensnotwendige Beratung würde
flachfallen, Investitionen in Neubauten und Erweiterungen und
das Kulturlandschaftsprogramm ständen auf der Kippe, ebenso
die Selbstvermarktung bis zum Urlaub auf dem Bauernhof. Angriffe
der Staatskanzlei auf den Bauernverband. Die Bauern kündigen
eine massive Demonstration an. |
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Mit
scharfen Worten wandte sich Bayerns Generalkonservator Egon
Johannes Greipl gegen einen befürchteten Kahlschlag beim Denkmalschutz. „Für Bayern hieße
den Denkmalschutz vernachlässigen, an der überaus
erfolgreichen Corporate Identity des Landes zu drehen. Das muss
die Politik wissen.“
Letztes Landtagsplenum in 2003. Zum Teil verweigert ein
Drittel der CSU-Fraktion die Zustimmung zu Streichung
der Anlaufstellen im Bereich Denkmalschutz oder Ernährungsberatung.
Die noch im Dezember geplanten Landtagsbeschlüsse werden
aufgeschoben. Bei einer Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion
in Kreuth am 13.1.2004 sollen die Würfel fallen. |
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| Der
katholische Landes-Caritasverband hat die Bayerische
Staatsregierung vor einem Kahlschlag gewarnt. Es sei auffällig,
dass fast bei allen Maßnahmen gerade die sozial
Schwachen, die Arbeitslosen, die Kranken, die ausländischen
Arbeitnehmer, die Behinderten und die Familien mit mehreren
Kindern finanziell belastet würden. „Das
ist bei fast allen so genannten Reformen so, egal ob sie in
Berlin oder München beschlossen werden“, kritisierte
Zerrle. Eine echt solidarische Reform des Sozialstaates müsse
aber die Bessergestellten mehr und die Schwachen weniger belasten. |
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| Die
Gewerkschaften der Polizisten und Justizvollzugsbeamten sowie der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund übergaben in München Pakete mit Unterschriften gegen
geplante Kürzungen an die Regierung. (34.000 und 17.000)
Das Landeserziehungsgeld soll gekürzt
und zu Gunsten kinderreicher Familien umgeschichtet werden. |
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Angeblich
habe sich die Staatsregierung mit den Kommunen über den Finanzausgleich 2004 geeinigt. Faltlhauser: „Ich bin nicht leicht beeindruckbar. Aber ich nehme Proteste
ernst. Wir haben deshalb noch einige sensible Fragen entschärft.
Der wichtigste Schritt war die Einigung mit den Kommunen über
den Finanzausgleich.“
Die
Ressorts müssen rund 10 % sparen, die Kommunen nur 3,4
%. Warum?
Faltlhauser: „Das war meine schwierigste Verhandlung. Die Kommunen
haben ihre Not sehr deutlich artikuliert, und eine Nichteinigung
hätte den politischen Widerstand bis hin zur Fraktion erheblich
erschwert. Von 10 % Einsparung bin ich ausgegangen. Jetzt reiche
ich 270 Millionen Euro zusätzlich über den Tisch,
für die Sozialhilfe der Bezirke und für die Schlüsselzuweisungen
an die Kommunen. Das hat in diesem Umfang überrascht.“
So zufrieden scheint der bayerische Städtetag nicht zu
sein mit der CSU: s.u. die neueste Pressemitteilung |
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Deimer
zu den Gewerbesteuerplänen der CSU:
Halbwertszeit ein halbes Jahr
Entschieden abgelehnt hat der Vorsitzende des Bayer. Städtetags,
Oberbürgermeister Josef Deimer, die Pläne der CSU,
die Gewerbesteuer abzuschaffen. Deimer: "In einem Dringlichkeitsantrag
beim Parteitag am 18. Juli 2003 in Nürnberg hat sich die
CSU noch für eine Reform der Gewerbesteuer ausgesprochen.
Damit haben Beschlüsse offenbar nur eine Halbwertszeit
von einem halben Jahr".
Die von der CSU vorgesehene stärkere Beteiligung der Kommunen
an der Einkommen-, Umsatz- und Körperschaftssteuer hält
Deimer für nicht vereinbar mit der kommunalen Selbstverwaltung.
Deimer: "Die Städte wollen nicht reine Zuweisungsempfänger
von Bund und Ländern werden". Der Städtetagsvorsitzende
hält das Konzept der CSU insgesamt für nicht finanzierbar.
In den Kassen von Bund, Ländern und vor allem der Kommunen
herrscht totale Ebbe. In dieser Situation sollen 24 Milliarden
Gewerbesteuer wegfallen und die Bürger mit 15 Milliarden
Euro bei der Einkommensteuer entlastet werden. Deimer: "Das
sind summa summarum 39 Milliarden Euro, die in den Kassen der
öffentlichen Hand fehlen". Der Städtetagsvorsitzende
befürchtet, dass bei der einsetzenden Auseinandersetzung
zwischen Bund, Ländern und Kommunen um den Steuerkuchen
die Städte am Ende die großen Verlierer sein werden.
Deimer: "Was nützt es dann dem einzelnen Bürger,
wenn er 30 Euro mehr im Geldbeutel hat, aber die Schulen verfallen,
das kulturelle Angebot total verschwindet und die Straßen
zu Schlaglochpisten werden. Wenn die kommunale Infrastruktur
kaputt ist, dann wird der Standort Deutschland trotz geringerer
Steuersätze nicht mehr attraktiv sein". Bayerischer
Städtetag PM 7.1.2003 |
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Presseerklärung
des DGB Bayern
Bayerns Beschäftigte dokumentieren: Hände weg von
der Tarifautonomie
München, 12.12..2003
Die vor wenigen Tagen gestartete Unterschriftenaktion, die der
DGB Bayern an die Bundesregierung, die Ministerpräsidenten
der Länder und die Mitglieder des Vermittlungsausschusses
weiterreichen wird, war ein voller Erfolg. "Wir haben binnen
10 Tagen über 300.000 Unterschriften gegen Sozialabbau,
den Abbau von Mitbestimmungs- und Tarifrechten und gegen massive
Einschnitte in die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen
gesammelt", betonte heute in München der bayerische
DGB-Vorsitzende Fritz Schösser.
Doch
nicht nur Unterschriften wurden gesammelt, bei mehr als 150
betrieblichen Aktionen zeigten über 50.000 Beschäftigte,
was sie von dem momentanen Geschacher im Vermittlungsausschuss
halten. Damit machten die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
in Bayern deutlich, dass sie sich insbesondere dagegen wehren,
rechtlos den Interessen der Wirtschaft bei betrieblichen Vereinbarungen
ausgeliefert zu sein.
"Dieses
Signal der Menschen in Bayern muss auch in der Staatskanzlei
gehört werden."
Schösser fordert Stoiber auf: "Machen Sie Schluss
mit ideologischen Grabenkämpfen, kehren Sie zurück
zur Sozialen Marktwirtschaft und zu einer vernünftigen
Gesprächskultur mit den bayerischen Gewerkschaften."
Die
Beschäftigten in den Unternehmen wollen keine erpresserischen
betrieblichen Bündnisse, sondern vernünftige Lebens-
und Arbeitsbedingungen", so Fritz Schösser. |
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Die IG Metall Bayern kontert Stoiber, der um
den Jahreswechsel die Rückkehr zur 40-Stundenwoche für
alle Beschäftigten gefordert hat. Stoiber stellt sich
damit demonstrativ hinter die Provokation der Metallarbeitgeber
in Bayern, die in der Tarifrunde eine unbezahlte Erhöhung
der Arbeitszeit um wöchentlich fünf Stunden „angeboten“
haben!
Der beschäftigungspolitische Katastrophenkurs von Ministerpräsident
Edmund Stoiber, mit Verlängerung der Wochenarbeitszeit
auf 40 Stunden, würde alleine im produzierenden Bereich
der bayerischen Metall- und Elektroindustrie 55 000 Arbeitsplätze
vernichten, sagte Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG
Metall Bayern, zu den jüngsten Vorschlägen des CSU-Vorsitzenden.
Neben mehr Arbeitslosen - statt Stoibers Behauptung von mehr
Arbeitsplätzen - und der Belastung der Sozialkassen wäre
das ein gigantisches Programm zum Füllen der Arbeitgeberkassen,
„satte 14 Prozent auf einem Schlag“ und keine
Garantie für den Erhalt der Arbeitsplätze. ...
Leute würden doch nur eingestellt, wenn Arbeit und Aufträge
da sind, die Profit bringen. Einstellungen aus Barmherzigkeit
gebe es nicht. Der Rest seien „politische Phrasen zur
öffentlichen Stimmungsmache, die nichts bringen“.
Auch der Hinweis auf „Urlaubsweltmeister“ ist
ein Rohrkrepierer, denn wir sind bei der Freizeit europäisches
Mittelmaß. Nach Feststellung der weltgrößten
Zeitarbeitsfirma Manpower liegen die Deutschen bei Urlaub
und Feiertagen weit ab von der Spitze. In Deutschland sind
das 41 Tage durchschnittlich.Mehr freie Tage haben zum Beispiel:
Finnland (49), Italien und Portugal (48), Frankreich und Schweden
(47), Spanien (46) und Griechenland (44). ...
Neugebauer empfiehlt Stoiber, dass er sich um seine direkten
„Baustellen“ wie das Verbessern und Schaffen von
politischen Rahmenbedingungen kümmere. Zum Beispiel um
eine effektivere Verwaltung, wie die Frauenerwerbsquote erhöht,
die schulische Bildung verbessert und die Lebens- und Arbeitsbedingungen
in benachteiligten Gebieten Bayerns angehoben werden können. Pressedienst IGM |
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| In
Wildbad Kreuth soll es während der Klausurtagung
der CSU am 13. Januar rund gehen. „CSU im Belagerungszustand“,
schreibt der Münchner Merkur und „Stoiber droht in
Kreuth ein Spießrutenlauf“. „Breite Front
im engen Tal – Protestwelle gegen Stoibers Turbo-Sparkurs.
Für Edmund Stoiber wird das neue Jahr etwas ungemütlich
beginnen: Die durch seinen Turbo-Sparkurs mobilisierte Protestfront
rückt quasi auf ein Allerheiligstes der CSU vor, das legendäre
Tagungszentrum in Wildbad Kreuth.“ Mit Traktoren rückten die Bauern auf die Zufahrtswege von Wildbad-Kreuth zu, um die CSU-Politiker abzufangen. Auf Schleichwegen versuchten diese, in den Tagungsort zukommen. Bevor schon hatten Waldarbeiter großen Spitzhacken und Äxten gegen Stoiber und seine CSU demonstriert. Es wurde fast etwas bedrohlich für die CSU. |
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| 2500 Studenten demonstrieren in Augsburg am 27. November 2003. Der AStA-Vorsitzende Andreas Busen verwies auf die Regierungserklärung von Ministerpräsident Stoiber vom November diesen Jahres, in der die „Investition in Bildung“ angekündigt wurde. MdL Förster (SPD) und der städtische Bildungs- und Schulreferent Schramm (SPD) unterstützten die Demonstration. Auch sie forderten nur mehr Geld von der Staatsregierung, kritisieren aber nicht die bayerische Bildungspolitk, die Eliteförderung etc. Bilder: oben: Marsch durch die Fuggerstraße, unten: Kundgebung am Elias-Holl-Platz, AstA Uni Augsburg |
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„Stoiber Du Räuber“: Jugendliche demonstrieren am 10.1.2004 an der Staatskanzlei vorbei. Es war die größte Demonstration in der Geschichte der bayerischen Jugendarbeit: 15.000 Jugendliche aus ganz Bayern protestierten in München gegen Sparpläne der Staatsregierung in diesem Bereich. Am Münchener Odeonsplatz warf die Präsidentin des Bayerischen Jugendrings Ministerpräsident Stoiber vor, entgegen seinen Beteuerungen die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen massiv zu gefährden. Nach dem Auftakt vor der Feldherrnhalle setzte sich ein Demonstrationszug von ca zwei km Länge durch die Münchener Innenstadt vorbei an der Bayerischen Staatskanzlei in Bewegung. Der Etat für 2004 soll bis zu 30 Prozent gekürzt werden. Der Bayerische Jugendring (BJR) geht davon aus, dass die geplanten Einschnitte das Aus für die außerschulische Bildung in Bayern bedeuten würden. „Ganz gleich, ob der Landtag zehn, 15 oder 30 Prozent Kürzung beschließt - in jedem Fall wird es in weiten Teilen keine Angebote mehr in der Jugendarbeit geben“, sagte BJR-Präsidentin Martina Korbiger bei der Kundgebung. Auch die Fortbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter sei gefährdet. |
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